Quo vadis Inklusion... ?

Wohin geht es mit der Bremer Inklusion

Gedanken zur Podiumsdiskussion vom 25.6.2012

„Quo vadis", oder wohin geht es mit der Bremer Inklusion? Dies war der Titel zu der durch den Landesverband anberaumten Podiumsdiskussion im Konsul Hackfeld Haus am 25. Juni 2012.

Die Veranstaltung wurde von cirka 120 Personen besucht und bot ein Forum zur Information und Diskussion, die sich wohltuend von den Pressekonferenzen der Pressesprecherin der Bildungssenatorin unterschied, bei denen ja eigentlich nur die wie in bestimmten Formaten der Bezahlsender eigens herangekarrten jubelnden Zuschauer fehlen.
Der Abend wurde durch ein Impulsreferat von Professor Dr. Clemens Hillenbrand, Institut für Sonder- und Rehabilitationspädagogik - Universität Oldenburg, eröffnet.

Unter dem Motto „Bremen als Leuchtturm der Inklusion!?" skizzierte der Referent die bisherige Entwicklung und den aktuellen Stand der Entwicklung in unserem Bundesland. Er wies daraufhin, dass Bremen mit der Reform einen Prozess in Gang gesetzt hat, die bundesweit hohe Aufmerksamkeit erzeugte. In Fachkreisen war von Anfang an klar, dass der Schritt zur sofortigen und vollständigen Umsetzung Gefahren für das Gelingen des Vorhabens mit sich bringen würde. Denn nach kurzer Zeit war zu erkennen, dass der Aspekt der Finanzierbarkeit, der ja von entscheidender Bedeutung für das Gelingen der Schulreform ist, von den politisch Verantwortlichen nicht hinreichend mitbedacht worden war. Gleiches gilt für die notwendige Vorbereitung im Bereich der Lehrkräfte, die einen zeitlichen Vorlauf und entsprechende finanzielle Ressourcen erfordern, welche die dem Bildungsressort derzeit keineswegs zur Verfügung stehen.

Die von der Bildungssenatorin 2008 beauftragten Gutachter hatten ja sogar Einsparungspotentiale im Bereich Schule erkannt. Eine Aussage, die von der Auftraggeberin des Gutachtens nur allzu gerne angenommen wurde.
Die anwesenden bildungspolitischen Sprecher der Parteien erklärten nahezu übereinstimmend, dass sie das Vorhaben der Inklusion grundsätzlich unterstützen würden, zeigten sich aber überrascht wie Problembeladen sich der schulische Alltag darstellt. Sie erklärten, dass innerhalb der Parteien und der Bildungsdeptutaion das Ausmaß der auftretenden Probleme nicht hinreichend bekannt sei.

Anwesende Vertreter der Bildungsbehörde meldeten sich hier wohl lieber nicht zu Wort. Wohl auch deshalb, weil sie Vorgaben der politischen Führung umsetzen müssen, von deren problematischer Wirkung sie aufgrund ihrer beruflichen Erfahrung eigentlich überzeugt sind.

Kopfschütteln hatte neben vielen anderen Dingen die kurz vor der Podiumsdiskussion bekannt gewordene einhellige Ablehnung der neuen „Verordnung Unterstützende Pädagogik" (VUP) durch alle relevanten Gruppen erzeugt.
Aus den Diskussionsbeiträgen wurde ersichtlich, wie umfangreich der Mangel an personellen und sächlichen Ressourcen derzeit ist. Die Einlösung des Bildungsanspruchs der Schüler und Schülerinnen mit erhöhtem Förderbedarf kann in einem System der Mangelverwaltung nicht gelingen. Die Oberschulen sind konzeptionell, von der Sachausstattung und wegen des Fehlens an qualifizierten Lehrkräften überfordert. Fatal für das Gelingen der Inklusion ist wohl auch der Umstand, dass sie gleichzeitig mit der Entwicklung der Oberschulen an den Start gehen musste. Der so genannte „Bremer Schulfrieden", der den Bestand der Gymnasien für die nächsten 10 Jahre garantiert, schließt praktisch ein Drittel der leistungsstarken Schülerschaft vom gemeinsamen Lernen aus.

Quo vadis Inklusion? Wenn nicht entschieden nachgebessert wird, wird das Vorhaben der Inklusion die anfänglich hohe Zustimmung verlieren und eine wachsende Ablehnung erfahren.

Für unseren Verband und für die Kollegen und Kolleginnen in den Schule wird das bevorstehende Schuljahr ein Jahr des engagierten Arbeitens vor Ort und des bildungspolitischen Agierens werden, wenn die Politiker der regierenden Parteien und deren Senatorin zu Entscheidungen kommen sollen, die das Reformvorhaben Inklusion tatsächlich vorwärts bringen könnten.

Heinrich Balser

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